Podiumsdiskussionen

Podium

Freitag 07.10.2011
19.00-20.00 Uhr A 151

Subjektivierung von Studierenden
Zwischen Autonomieversprechen und Fremdbestimmung

Studentische Magazine, Tagungen und Forschungsgruppen – in den letzten Jahren scheinen (quasi) wissenschaftliche Vorhaben aus studentischer Initiative ein erstaunliches Ausmaß angenommen zu haben. Es wirkt, als wäre es heute wichtig, bereits während des Studiums die individuelle Profilbildung durch Projekte neben dem Studium voranzutreiben, um den späteren (Wissenschafts-) Karriereweg entscheidend vorzustrukturieren.

Ist die oder der Studierende von heute somit vor allem ein unternehmerisches Selbst? Inwiefern unterscheidet sich studentisches Engagement heute von früher?
Das Phänomen der Subjektivierung ist für das Feld der Wissenschaft gut erforscht.
Doch wo sind die Studierenden in Anbetracht der ambivalenten Folgen von Subjek-
tivierung zu verorten: Profitieren sie von einem „‚Mehr’ an Subjektivität“ im Studium
für ihre persönliche Berufslaufbahn oder sind sie von grenzenloser Selbstausbeutung und Fremdbestimmung betroffen? Welche Rolle spielen „Klasse“, „race“ und „Geschlecht“ bei der Wissensproduktion und der Möglichkeit, ein studentischer „Pro-
jektmensch“ zu sein?

Und welche Effekte hat die Subjektivierung von Studierenden auf die Herstellung von Wissen: Kommt es jenseits der hegemonialen institutionellen Wissensproduktion an
den Hochschulen zu einer Pluralisierung von Wissensformen oder wird die bestehende Wissenshierarchie reproduziert und gefestigt?

Auf dem Podium werden vertreten sein:

  • Prof. Karin Lohr (HU Berlin)
  • Dr. Roland Bloch (MLU Halle)
  • Dr. Christiane Schnell (Goethe-Universität Frankfurt)

Moderation: Mareike Heller, Laura Lambert

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8 Kommentare bis “Podiumsdiskussionen”

  1. Jon sagt:

    Begrüßung:
    Nach dem ersten uns selber wahrnehmen, als Objekt reflektieren
    graphical recording anbei

    Erster sudentischer Kongress 2010 – erste Kongresse 1910.
    Studentischer Kongress anders organisiert als DGS:
    Freiwillig, ohne Forschungsverpflichtungen

    Nun in postfordistischer Gesellschaftsweise
    Netzwerke, flache Hierarchien, Autonomie, Individualität, Flexibilisierung

    -> Subjektivierung

    Übergang Fremdkontrolle -> Selbstorganisation
    Risiken & Chancen

    Lässt der Kongress sich darin einordnen?
    Welche Strukturen? Welche Folgen?

    Karin Lohr – Geschlechterverhältnisse, Arbeitsverhältnisse … letzte Bücher vorgestellt
    Roland Bloch – 2008 promoviert. “Flexible Studierende. Zur Studienreform und studentischer Praxis”.
    Christiane Schnell – SFB 2006 “Regulierung der Kulturberuve in Deutschland”. Kultur & Kreativarbeit.

  2. Jon sagt:

    Karin Lohr
    Arbeits- & Organisationssoziologin
    Quelle der Subjektivierung.

    gerade Projektabschluss: Reformen in Universitäten, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen.
    Wie verändert sich die Arbeit?

    Replik auf arbeitssoziologischen Subjektivierungsdiskurs.
    Kann man von Subjektivierung bei Studierenden sprechen?

    Subjektivierung als Begriff

    Arbeitseinsätze, Globalisierung, Finanzmarktkapitalismus – sozialie, marktliche Entwicklungen

    Subjektivierung: Gegenmodell zu fremdbestimmter, arbeitsgeteilter und formeller Arbeit im Industrialismus.
    Subjektivierung von Arbeit, Dörre: “Radikalisierung der Marktökonomie”, Vermarktlichung.
    Gehlmann, Matteschek, Poss. Leistungen von Subjekten werden funktional für Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt.

    Subj. Selbstobjektivierung, Selbstökonomisierung, Selbstorganisation: rationale Subjekte handeln danach:
    neue Rationalisierungslogik

    Re-Subjektivierung … Lösch
    Das unternehmerische Selbst. Eine Seite.

    andere Seite: Bethke, Sofi Göttingen, Ende der 1980er: normative Subjektivierung von Arbeit. Verstärkung der Ansprüche. Qualifikationen, Lebensstandard. Streben nach Kompetenzen, Fähigkeiten, Emotionalität, Spaß, sich selbst zu verwirklichen, persönlich zu entfalten.

    arbeits- und industriesoziologische Diskussion: erster Teil betont (Zwang), anderer Teil nicht so bedeutend/verfolgt in der Forschung (Selbst)

    individuelle, charakterliche Eigenschaften: Konstellation von Wissen, Einstellungen, Motiven und Fertigkeiten einer Person.
    –> Was ist ein Subjekt? (ohne Kommentar)

    Subjekte auch als Produkt der Gesellschaft: kulturelle Deutungsmuster die für Subjekte prägend sind.
    Subjektivität ein sich wandelndes Produkt zwischen Person und Gesellschaft und stellt sich immer wieder neu her und kann später an Studierenden diskutiert werden.

    Ist solche eine begriffliche Fassung auf Studierende übertragbar?

    ja und nein.

    auf der einen Seite:
    studentische Subjektivität dann gesellschaftlich funktional, dass sie den gegenwärtigen erwartungen entsprechen: Leistungsfähigkeit, Wissen, Kompetenz, Flexibilität, Eigenverantwortung. Zwang zur Subjektivierung als gesellschaftliches Erfordernis. Arbeitsmarkt.

    auf der anderen Seite:
    These der Entsubjektivierung. Was ändert sich an der Universität durch Reformprozesse? Liberalisierung, Ökonomisierung? Hochschule in die Nähe des Marktes. Orientierung am kapitalistischen Modell des Unternehmens. Universität als knowledge factory. Bologna, Output-Steuerung, Wettbewerb, Exzellenz…veränderte Sturkturen in Universitäten und damit Ansprüche an Studierende.

    Verstärkte programmatische Orientierung, accountability, employability, Effizienz.
    2. Strukturelles: modularisierung und technische Leistungskontrolle.
    Definieren von Abläufen.
    Stärkung des Managements an Universitäten. Selbstverwaltung und studentische Teilhabe an Selbstverwaltung ein Stück weit eingeschränkt.
    verstärkte Bewertung der Lehrenden, der Universität, durch Qualitätssicherungssysteme und Evaluation. (auch unternehmerische Begriffe)

    Arbeitssoziologische Diskussion nicht direkt übertragbar:
    Bildungsorganisationen stellen Selbstlernumwelten zur Verfügung. Gegenstand von Arbeit sind Subjekte (Heinz und Förster? Nicht triviale Maschinen.). Systemtheoretisch argumentiert: technologiedefizit der Erziehung/Bildung.

    Bildungsprozesse nur begrenzt formalisierbar, standardisierbar.
    In Organisationen auf Fachwissen und individuelle Ansprüche bezogen.
    –> nicht auf Unis übertragbar

    Noch ein paar empirische Einblicke:
    Welche Konsequenzen?
    Ent-Subjektivierung. Einschränkung, normative subjektive Ansprüche können nur bedingt realisiert werden.
    Andererseits den Arbeitsanforderungen entsprechen.
    veränderung organisationaler Strukturen: Studien- und Prüfungsordnungen.

    Subjektivierung als Summe der Gesellschaft. Mit welchen Erwartungen treten Studierende an das Studium heran?
    weniger Subjektivierung, mehr Individualisierung.

    Recht früh gesellschaftliche disposive Zurichtung auf ein unternehmerisches Selbst.
    Scheint stärker ausgeprägt zu sein als in der Vergangenheit.

    konsumistische Haltung: Jagd nach Punkten und Noten. Denkweise auch um die Punkte. Bewertung in vorm von Credits, nicht Wissen: Denkstrategien, Erfahrungen, etc.
    Dort besonders stark wo Studiengebühren existieren. Gewisse Erwartungshaltung. Beste Ausstattung, etc.

    formale Trennung von Bachelor und Master. Zugangshürden zum Master. Hohe Anspruchshaltung an einen selbst, der man nicht unbedingt entsprechen kann. Konflikte, Ansprüche, innere Konflikte der Lehrenden. Zitat…selbständig Denken, Interesse wecken. Stattdessen Gefeilsche um Notenpunkte.

    Zugespitzt: aus der Perspektive der Lehrenden geht es weniger darum, das Denken zu lehren, sondern kleine Vögelchen zu füttern. Von sich eigenständig bildenden Menschen zu Schäfchen, die man hüten muss.

  3. Jon sagt:

    Roland Bloch.

    Wir waren herrlich empirisch, nun wieder theoretisch.
    Politikwissenschaftler, etwas andere Schwerpunktsetzung in der Analyse. Häufig sehr starkes Interesse für Macht. Dann schnell bei Diskursanalysen.

    Aber eigentlich Diskurs und Praxis.
    Diskurs um die Studienreform und studentische Praxis.

    Problematisierung der Praxis und Empfehlung welcher Intervention (die Umsetzung der Reformen).
    Und Ausschluss von Alternativen (wie vorher).

    normative Anforderungen an das handeln von Akteuren. Das Selbst, Technologien des Selbst (Foucault), nicht mehr Disziplinierung, sondern Subjektivierung von Subjekten/Akteuren. Subjektivierung durch das Handeln von Akteuren konstituiert. Dynamische Machtbeziehung (Foucault).

    Employability. individuelle Fähigkeit, sich flexibel auf sich wandelnde Arbeitsmarktsituationen einzustellen.
    Empowerment. Selbstverantwortung für den beruflichen Erfolg. im Sozialen: Hilfe zur Selbsthilfe.
    Schlüsselqualifikation. Persönliche Verhaltensweisen nutzen auch beruflich und werden zertifiziert.

    Arbeitskraftunternehmer, etc. Selbstkontrolle erfordert die aktive Selbststeuerung. Selbstökonomisierung erfordert es strategisch zu handeln, am Qualifikationsprofil zu arbeiten. Selbstrationalisierung, Entgrenzung von Arbeit, persönliche Dispositionen als Kompetenzen.

    Ökonomisierung des Sozialen. Lemke, Krassmann und Böckling.
    Unternehmer ihrer Selbst. Dominanz von Kosten, Nutzen Kalkülen.
    Auch betont, dass Subjekte einen aktiven Beitrag zum regiert werden leisten.

    Verhalten sich studierende denn so wie gewünscht?
    Treffen die diagnostizierten Probleme zu?

    Handlungsräume müssen angeeignet werden.
    unterlaufen, modifizieren, ignorieren.
    (stud.) Praxis vielfältig und mehrdeutig.

    Arbeitskraftunternehmerthese empirisch auf die Studierenden bezogen.

    Diskurs. flexible Studierende. Hochschulabschluss reicht nicht aus. Man muss mehr tun. Aber was?
    Also, antizipieren der Anforderungen des Arbeitsmarktes während des Studiums und versuchen diese zu erfüllen.

    Studierende traditioneller und reformierter Bedingungen interviewt. Als Ersatz für vergessenes Gespräch mit den Studierenden. 2006, Studierende an privaten Business Schools. Bachelor.

    Ergebnis: Alle Studierenden handeln flexibel. Auch unter traditionellen Bedingungen. Kein hedonistisches, autonomes Vor-Sich-Hinstudieren. Auch viel Selbstverantwortung über Praktika, Auslandsaufenthalte früher praktiziert.

    Privates und Studium verschwammen auch schon vorher. Ein Beispiel: Das Praktikum. Äußerer Zwang. Es gab keine Vorgabe. Eine allseits beliebte Variante der beruflichen Qualifizierung. Mobilitätswünsche, Urlaubsplanung, Lebenslauf.
    Networking. Auch schon immer irgendwie selbstverständlich gewesen. Persönliche Kontakte lassen sich beruflich nutzen.

    Flexible Studierende sind keine Nutzenmaximierer. Mehrdeutige Praxis und nicht nur den erwähnten Kalkülen unterworfen.
    Die flexible Praxis soll nun normiert werden. Intervention in die frühere Praxis. Eindeutigkeit Schaffen.

    Handlungsräume stehen unter dem Verdacht Zeitverschwendung und ineffizientes Studieren zu fördern.
    Nun wird ein linearer Studienweg erfordert.

    Studierende tragen selbst zu der Reaktion bei: hohe Abbruchquote, lange Studiendauer.
    Erst durch die Strukturierung werden die Studierenden in die Lage versetzt, selbstverantwortlich zu handeln.

    Statt flexiblen Handelns strategisches, effizientes Studieren. Nicht Fixierung auf Credit-points, aber Techniken an die man sich anpassen muss.

    Zuvor informelle Kompetenzen werden formalisiert und vermittelt.

    Risiken und Chancen.
    Interpretation des Vergleichs der Stud. Handlungsräume ermöglichten es, sich das Studium individuell anzueignen. Man konnte seinen eigenen roten Faden entwickeln. Studentische Subjektivität.
    Stärkere Strukturierung könnte helfen die Abbrecherquote zu verringern. Änderten sich aber nicht, die neuen.

    Habermas, 1966: Wissenschaftsrat: Einführung gestufter Studiengänge.
    Um die unproduktiven Umwege überflüssig zu machen, muss man die produktiven nicht verbieten.

    Vereinheitlichung nicht auf der inhaltlichen, aber auf der praktischen Ebene. Unsicherheit wird durch vermeintliche Sicherheit ersetzt: Leistungsbewertung, etc.

    Möglichkeiten Arbeitsanforderungen zu antizipieren werden eingeschränkt.
    Kein neoliberales Programm, sondern Techniken zur Disziplinierung der Studierenden und zum Beheben struktureller Defizite des Studiums. Masse von Studierenden wird mit Hilfe der Techniken geordnet.

    Ob Erfolg die Folge ist, wie schon in der Vergangenheit, dafür haben die Studierenden selbst zu sorgen.

    Christine Schell

    Arbeitssoziologische Schwerpunkte, auch Foucault.
    Noch eine Anmerkung zur arbeitssoziologischen Debatte.

    These, Diagnose als der Strukturwandel in Arbeit nicht mehr wegzudenken war. Deregulierung, Anpassung, etc.
    Geschlechterforschung, Lebenslaufsoziologie brachten mit ein, dass strukturierter Lebenslauf und Vorgaben den Wandel der männlichen Erwerbsarbeit darstellen. Aber der Trend ist nichts neues, sondern nur am Gegenstand umgeformt.

    Foucault als Inspirationsgrundlage in der Soziologie. Diese Ambivalenz tief beschrieben. Heteronomie, Zwänge betont, gleichzeitig das Moment der Freiheit, die es anzueignen, zu kämpfen gilt, bezeichnet.
    Schwierig in der empirischen Realität wiederzufinden.

    Keine Forschung zu Studierenden, aber in Kunst- und Kulturberufen taucht diese Ambivalenz immer auf.
    Dieser Bereich war 1990 in der Soziologie ein vorreiter (im Arbeitskraftunternehmerdiskurs). K&K als Vorbilder für den neuen, flexibiliserten Arbeitsmarkt. Knüpfen auch an an klassische Erwartungen von Selbstverwirklichung, Befreiung von den Engen des Fordismus.

    Später französische Debatte Boltanski: Vereinnahmung des kreativen Feldes, der Künstlerkritik, gesteigerte Form von Ausbeutung und Fremdbestimmung unter Bedingungen von Selbststrukturierung, etc. Freiwillige Selbst ausbeutung.

    Ambivalenz auch der Subjektivierungsdebatte. Stehen aber für sich und haben beide ihre Berechtigung.
    Nun über die Empirie hinaus gehen und Chancen und Risiken zu finden. Wo und aus welchen Gründen greift die Heteronomie? Wo sind Chancen für Eigensinn?

    Kunst- und Kulturberufe in Deutschland seit den 1960ern. Ökonomisierung des Kulturbetriebes ging mit einem Strukturwandel einher (Digitalisierung, Medienderegulierung, Privatisierung, kommerzielle Interessen). Veränderung von Singularität, Einzigartigkeit zu marktgängiger Vereinnahmung, Zurichtung.

    Trotzdem auf der Suche nach Wegen, Beispielen im Feld die für Eigensinn kämpfen und von der Heteronomie abweichen.
    Empirische Schleifen, derer es bedarf, sind:

    I Individuelle Professionalisierung (Professionssoziologische Diskussion, sehr stark durch Sozialisationstheorien geprägt. Erwerbsbiographisch rekonstruiert: Aneignung struktureller Bedingungen (Foucault), der eigenen Position darin. Handlungsspielräume identifiziert von einzelnen, Grenzen bei starkem ökonomischen Zwang.
    Aneignung der eigenen Existenz und Haltung schwieriger geworden, insbesondere durch stärkere Konkurrenzbedingungen seit den 2000er Jahren (Graphikdesign, Buch, Literaturübersetzungen). Faktische Handlungsspielräume kleiner, aber Aneignung der eigentliche Punkt der fachlichen Orientierung: Was ist mir wichtig? Wie kann ich das aufrecht erhalten?

    Komplexe Formen der Aneignung, der eigenen Berufsfähigkeit, der individuellen Lebensperspektive.

    II Das gelingt nicht auf der individuellen Ebene, sondern bei Vorhandensein von kollektiven Bezügen. Wenn jeder nicht allein ist, sondern wenn es Andockpunkte gibt. Gemeinschaftlichkeit. Netzwerke.

    Durkheimscher Begriff der moralischen Gemeinschaft, nciht Netzwerke, nicht einfach nur faktische Vernetzung, sondern Aneignung des eigenen beruflichen Seins (Freiberufler hochkomplex schwierig). Der Moment Verbündete zu sehen, ähnliche Interessen, Auseinandersetzungen. Den Blick über das Individuelle hinaus zu öffnen. Und damit die Aneignung zu begleiten.

    Berufsbiographien von 20, 30 Jahren enthielten das tragende Moment, dass das Einen komplexer Widersprüche des Alltags auf einem kollektiven Niveau stattfand. Erforscht auf der Ebene von Berufsorganisation.

    Diskussion
    Rückbezug zum Kongress

    Streben nach Employability, Aneignung.

    Ist der Kongress Ausdruck des Willens nach Selbststudium?
    Oder vielmehr ein Streben nach gewissen Qualifikationen, die im Lebenslauf auftauchen?

    Lohr: Kongress: eigensinnige Aneignung von Raum und Wissenschaft. Und vertreten wir hier die Masse der Studierenden? Unterschiedliche Fachkulturen, insb. Physik und Anglistik. Andere Ansprüche an einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

    Neue Strukturen bieten die Möglichkeit durch studentische Initiativen sich Räume anzueignen.

    Schnell: Es mag keine Kollektivaussage möglich sein. Es muss eingebettet werden in die Totalität der Lebensführung, der eigenen Subjektivität. Der Versuch diese Frage zu Stellen ist Teil der Aneignung, schon die halbe Miete.
    Aber ohne zu moralisieren ist es ein individuelles, eingebettetes Thema. Ebenso auch eine Chance.

    Problem: Aneignungsprozesse werden auf dem Markt nicht gedankt. (Widerrede erwünscht!) Mit der Aneignung und Initiative bekommt man keinen Job. Das was außerhalb dessen ist, was trotzdem noch erfüllt werden muss. Eine philosophische Frage. Ein Teil der Aneignung wird auf dem Markt nicht gedankt. Hoffentlich für andere gesellschaftliche Prozesse.

    Ist das hier eine karriereförderliche Selbstzurichtung?

    Bloch: heute spielen viel mehr Sachen eine Rolle als früher.
    Bei Vorstellungsgesprächen zählen auch informelle Themen. Aber moralische Reinheit ist abhanden. Kritik lässt sich nicht nutzen. Historisches Beispiel: Die Yippies (amerik. 1968er Spaßprotestler in New York). Anführer hatten sofort Angebote in Werbeagenturen zu arbeiten.
    Inhaltich motivierte Kongresse lassen sich nutzen. Beispiel: Praxisnetzwerke. Verbindung zwischen Studium und Praxis. Es gibt Karrieremessen. BWL-Studenten organisierten dies für sich selbst. Nicht als schlechtes Engagement lesbar. Wichtig ist nur an einem bestimmten Punkt nicht von der Uni vereinnahmt zu werden. Es muss eine studentische Initiative bleiben. Engagement ist zwar moralisch kontaminiert, aber man muss es deswegen nicht bleiben lassen.

    Pblikumsfrage:
    Subjektivierung, Selbstbestimmung. Bologna unterdrückt dies. Nicht nur Disziplinierung, aber wofür denn Sinn und Zweck? In einer Wissensgesellschaft, wo Wissen Produktionsmittel ist und wir sind die Träger. Und das wird kontrolliert: verwertbares Wissen und nicht zu viele Querköpfe auftauchen lassen.
    Damit der Verwertungsprozess optimiert wird, was im Kapitalismus nicht verwundert. Kongress als Chance universitärer Gegenöffentlichkeit. Raum für Diskussion, Austausch, für was im Studium zu kurz kommt. Wir sind nicht nur selbstbestimmt, autonome Subjekte, sondern auch gesellschaftlich produzierte Objekte.
    Denn es existiert eine real existierende Angst, sein Brot nicht mehr verdienen zu können. Daher das Interesse am Abschluss und Praktika.
    Quo vadis, Universität?

    Pierre:
    Frage in 3 Punkten.
    Lohr / Försterbeispiel: triviale und nichttriviale Maschinen. Studierende triviale, hochstandardisierte Maschinen mit kreativen Aussetzern. Keine Unterscheidung zwischen traditionellen und reformierten Studiengängen, auch Fächerübergreifend gibt es engagierte und strebsame.
    Bologna machte die Diskrepanz öffensichtlicher, dass von außen angelegte Qualifikationen nicht nur von außen angetragen werden. Und mit welcher Mentalität schicken wir unsere Kinder ins Studium? Langzeitstudent, Karrierist existieren schon massiv. Aber es braucht keine institutionelle Förderung. Er ist nicht für Langzeitstudium, aber auch nicht für Spaßminderung durch höhere Geschwindigkeit.
    Bologna als universalistisches Programm.

    Lohr: Ent-Subjektivierung gut beschrieben. Bologna, Strukturierung, Standardisierung: weniger Freiräume innerhalb des Studiums. Freiräume sollten aber geschaffen werden. Mehr Wahlmöglichkeiten, etc.
    1. Beitrag: Studienabschlüsse in der Wissensgesellschaft. Debatte erfordert kreative und innovative Menschen. Wo lernt man reaktivität und innovativität wenn Studium so stark reglementiert ist?
    2 Bilder im Kopf: Die Studierenden als das unternehmerische Selbst, denen es individuell darum geht ihre eigene Karriere zu planen, eine Position auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.
    Auf der anderen Seite: “Was bringt mir das eigentlich?” vs. das eigensinnige Subjekt, das versucht in Zusammenarbeit mit andern / Netzwerken, Strukturen zu überwinden und sich Freiräume zu schaffen, sich das Studium anzueignen.
    Lässt sich dies nicht vereinbaren?
    Antworten hab’ ich auch nicht.

    Bloch: Stichwort: die von außen herangetragenen Erwartungen an die Studierenden. Employability ist eine Hochglanzprospektdiskussion. Es ist schwerer geworden sich darum zu kümmern, da nicht die Studierenden oder Inhalte im Inhalt der Reform standen, sondern es war eine Strukturreform.
    Denkweise hinter der Reform: Ansatz bei den Trivialmaschinen. Letztendlich ist es egal, ob die Bac. erfolgreicher auf dem Markt sind als die alten Studienabbrecher. Zentrum ist das politisch bewertete Strukturproblem. OECD-Vergleiche zeigen negative Daten. Abbruch, Dauer, etc. Diese Rädchen sollten gedreht werden: mehr Studierende, praxisorientierter, schneller.

    Hohe Abbruchquoten, viele Fachwechsler: irrgeleitete Studiumwahl. Diskursive Figur der Selbstverantwortung. Auswahlverfahren, Interviews mit Bewerbern, Self-Assessment-Plattformen die Abiturienten dabei helfen, das für sie passende Studienfach zu finden. An erster Stelle beeinflusst aber die Familie und die Peer-Group die Studienwahl.
    80% entscheiden sich für einen Studienort max. 100km vom Herkunftsort.

    Schnell: sehr unsoziologisch entwickelte Strukturreform die soziale Mechanismen nicht berücksichtigt. Außerdem sehr deutsche Umsetzung von Bologna, das andere Optionen noch beinhaltete. Was bedeutet es eigentlich, wenn bei jeder freiwilligen Aktivität immer die Frage entsteht: Was bringt mir das eigentlich?
    Muss ich nun eine Arbeitsmarktwirksamkeit darin erkennen können? Wo ist das völlig autonom, völlig frei von gesellschaftlichen Zwängen was in mir ruht?

    Die eigene Antwort: Bindung an die disziplinären Inhalte erscheint als Mittelweg. Zwar auch Annäherung an Verberuflichung und Professionalisierung, gleichzeitig aber auch Potentiale für Selbstentwicklung beinhaltet. Die Strukturreformen orientierten sich sehr an Zusatzqualifikationen und beruflicher ausrichtung, weniger an inhaltlichen Fragen.

    Publikumsmeldung:
    Wie kann ich dafür sorgen, dass die studierenden praxistauglicher ausgebildet werden? Interaktion zwischen Studierenden und Dozenten. Das Rädchen. Herzliche Betreuung im Studienprozess zeigten bei Evaluationen signifikante Verbesserungen bei Inhalten als auch Abbrecherquoten. Dieser Aspekt wird unterschätzt.

    Publikum:
    Freiräume schaffen. Was man daraus macht und worum es überhaupt gehen soll? Dass man etwas wagen kann, ohne auf die Fresse zu kriegen. Wagnisräume. Erkenntnis wagen.
    In der Politikerwelt gelten die OECD-Regeln anders. Bis zum Studium durchgekämpft, dann im Studium Wagnis leben lassen.
    Abschließend, die Sturkur. Ich hör’ immer sich an Strukturen anpassen. Nun die letzten Zuckungen des Spätkapitalismus. Da mussten wir jetzt durch. Das ist auch gut so, denn je schlimmer das ist, weiß man, dass man etwas anderes will.
    Keine Ideologie anhängen, oder entwerfen, sondern sich zwischen den Credit-Points neue Wagnisräume schaffen.

    Publikum:
    Persönliche Interaktion mit dem Dozenten. Dozenten an ihrem Institut sehr engagiert. Aber Dozenten mit zu viel Arbeit. Professoren bieten immer schon Informationspäckchen. Eigene Kreativität vom Mitschreiben (ohne PowerPoint) geht verloren. Mit welchen Wünschen gehen wir rein? Denn ich habe auch Erwartungen an den Lehrkörper. Mit wieviel Bedürfnissen gehen wir rein, vgl. mit anderen Ländern? Auch mit Konsumdenken.

    Publikum:
    Arbeitsbelastung von Hochschulangestellten. Hessen-Studie zum Mittelbau.
    Hypothese zur Eingangsfrage: Dass Studierende, die sich ehrenamtlich engagieren, bspw. einen Kongress zu organisieren, Bildungsprozesse in Gang bringen wollen (Persönlichkeitsentwicklung), aber auch mit dem Wissen darum, dass man Fähigkeiten erwirbt (Kompetenzen) und kulturelles, soziales Kapital aufbaut, welches später in ökonomisches Kapital umgewandelt werden kann.
    Studenten haben egalitäre Vorstellungen von Studium, auch abweichend von Bologna. Strategien zurechtbasteln, mit Humboldt und kritisch, theoretisch und auch ein bisschen Orientierung auf den Arbeitsmarkt.
    Es ist beides.

    Moderation:
    Spannungsfeld zwischen unternehmerischem Selbst und Eigensinn?

    Publikum:
    Gewünschte Qualifikation. Es gibt auch unerwünschte Qualifikation. Engagierte sind wie bei der Gewerkschaft. Damit bringt man die Politik ins Haus und das wollen wir gar nicht.

    Pierre:
    Studentencafés aus historischer Perspektive, Lern-, Ruhe- und Schlafräume an der TU. Studierende von heute sind die Kapitalisten von morgen. ECTS-Points sind wichtiger als das Lesen von Büchern.

    Publikum:
    Alarmglocken bei Zweckfreiheit vom Studium. Praxis kann ganz anders aussehen. Jene leute, die sich stark dieses Diskurses bedienen, machen unbewusst genau das, was später zu einem Job führt. Zweckfreiheit kann Resultat von Distinktionslogik sein. Hängt auch von Umständen, Herkunft, etc. ab. Ich kann es nicht verteufeln, denn nach dem Studium geht es weiter und ich möchte mich weiter informieren. Das muss nicht kapitalistische Handlungslogik sein.

    Schnell:
    Es kippt immer in die eine oder andere Richtung. Ökonomisierung oder Zweckfreiheit? Kampf, Schlacht um Aneignung. Es gibt ekinen Freibrief sich fern zu halten von Zwängen noch sich aufzugeben. Subjektivität als Prozess der dauernd aufrecht erhalten wird.

    Bloch:
    Es trifft den Punkt. Es geht nicht darum Humboldts letzten Krieger zu spielen und alte, hochproblematische Zeiten wiederzuholen. Aber es ist noch möglich die Reform zu beeinflussen. Die Strukturreform ist doch sehr deutsch. Am bsp. der angelsächsischen Hochschulen sieht man die non-linearität in Studienprogramme auf verschiedenen Stufen. Berufsqualifikation kann als höheres Semester anerkannt werden. In dt. Anerkennung von Fachhochschulabschlüssen.
    Wissensgesellschaft. Angemessene Bildungsorganisation dafür. Label “Lebenslanges Lernen”. Restriktiv mit Zwängen oder individualisiert und dem einzelnen überlassen. Das ginge auch ohne Zweckfreiheit mit erhöhten Bildungsinvestitionen.

    Publikum:
    Maschinbau: 7 Semester RCDS liefern gute Chancen für später. Professoren sind auch dafür da, dass man gefordert wird. Im Gegensatz zu Zweckfreiheit. Und wer definiert den Begriff des Zweckes?
    Die Vorstellung das Universitäten Räume anbieten, dass Dinge neu gedacht werden. Wissens- und Informationsgesellschaft wird nicht mit zeitgemäßen Denkweisen begegnet. (spätkapitalistisches Zucken) Man muss durch eine Phase gehen, um zu wissen, was man will. Die deutsche Hardcore-Ausführung der Bologna-Reform führt weiter.
    Nicht nur Kritik nach vorne stellen, sondern auch Alternativen entwerfen.
    Komplexe Neue Welt nach vorne.

    Lohr:
    3 Stichpunkte.
    Interaktion: Technologiedefizit. Die Reformen werden es nie schaffen durchzuregieren bis auf die Ebene der Interaktion zwischen Studierenden und Lehrenden. Karrieren an der Universität sind fachlich professionell, aber nicht unbedingt für die Lehre, in der Interaktion.
    Zweckfreiheit: Nicht jeder soll studieren, um sich zu bilden und später damit etwas anfangen zu können. Aber möglichst gute Punkte, möglichst gute Noten, aber wie soll ich mich orientieren, um einen Arbeitsplatz zu bekommen? In den Sozialwissenschaften funktioniert das nicht.
    Kompetenzansatz bei Bologna: gar nicht so falsch. Wird aber nicht ernst genommen. Wie kann ich Kompetenzen entwickeln, dass Studierende kreativ und innovativ sein können? Schon dieser Ansatz steht im Widerspruch zum Studium. Welche Konsequenzen haben technische Systeme: Prüfungsanmeldung, elektronisches Vorlesungsverzeichnis, etc.

    Reformen kommen und gehen. organisationssoziologisch: strukturelle Entkopplung. Nicht alles was passiert hat eine Relevanz für die Praxis und geht vielleicht auch wieder verloren.

  4. Mitchell sagt:

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