Das Soziologiestudium im Spannungsfeld von (Selbst-)Bildung und Arbeitsmarktorientierung

In dem Workshop soll der im Soziologiestudium aufscheinende Widerspruch zwischen „dem Bildungsbedürfnis und den Bildungsansprüchen [der Studierenden] auf der einen Seite und der Möglichkeiten des beruflichen Unterkommens auf der anderen“ (Adorno 2003: 11) thematisiert werden. Darin spiegelt sich letztendlich auch der zentrale Widerspruch zwischen der Gesellschaft und einer kritischen Soziologie wider. (vgl. Adorno 2006: 12) In der alten kritischen Theorie wird die Soziologie als das geistige Mittel angesehen, mit dessen Hilfe man mit der gesellschaftlichen Entfremdung fertig zu werden versucht. (Adorno 2003: 12) Unter dem Spannungsverhältnis zwischen dem Sich-Zurechtfinden in der Gesellschaft und der Verpflichtung auf gesellschaftlich nützliche Arbeit (vgl. Adorno 1982: 13) leiden regelmäßig die reflektierten unter den Soziologiestudierenden.

von Isabella A. Enzler und Jennifer Ch. Müller

In dem Workshop soll der im Soziologiestudium aufscheinende Widerspruch zwischen „dem Bildungsbedürfnis und den Bildungsansprüchen [der Studierenden] auf der einen Seite und der Möglichkeiten des beruflichen Unterkommens auf der anderen“ (Adorno 2003: 11) thematisiert werden. Darin spiegelt sich letztendlich auch der zentrale Widerspruch zwischen der Gesellschaft und einer kritischen Soziologie wider. (vgl. Adorno 2006: 12) In der alten kritischen Theorie wird die Soziologie als das geistige Mittel angesehen, mit dessen Hilfe man mit der gesellschaftlichen Entfremdung fertig zu werden versucht. (Adorno 2003.: 12) Unter dem Spannungsverhältnis zwischen dem Sich-Zurechtfinden in der Gesellschaft und
der Verpflichtung auf gesellschaftlich nützliche Arbeit (vgl. Adorno 1982: 13) leiden regelmäßig die reflektierten unter den Soziologiestudierenden. „[J]e mehr man von der Gesellschaft versteht, […] um so schwerer wird [es für einen], in dieser Gesellschaft sich nützlich zu machen […].“ (Adorno 2003: 13) Der widerspruchsvolle Charakter des Soziologiestudiums hängt nicht zuletzt mit dem Erkenntnisgegenstand der Soziologie – der Gesellschaft selbst – zusammen. Da in der Gesellschaft keine Kontinuität auszumachen ist, könne dies in der Soziologie und dem Studium derselben ebenso nicht der Fall sein. (vgl. ebd.) Doch spätestens mit dem Beginn des Bologna-Prozesses und der Modularisierung der Studiengänge im Sinne der Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraumes soll diese Kontinuität und eine zielgerichtete Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt nun möglich gemacht werden. (vgl. Sorbonne-Declaration1998, Bologna-Deklaration 1999, Prag-Kommunikee 2001, Göteborg-Deklaration 2001, Berlin-Kommunikee 2003, Bergen-Kommunikee 2005, London-Kommunikee 2005, Leuven-Kommunikee 2009, Budapest-Wien-Erklärung 2010) In den zentralen Papieren zum Bologna-Prozess ist eine Auffassung von (Hochschul-)Bildung enthalten, die den Perspektiven der Initiatoren und Reformern der Universitas litterarum (vgl. Kant 1992, Kant in Vorländer 2004, Humboldt 1964, Humboldt in Müller 1990, Fichte 1919, Schleiermacher 1998, Hegel in Müller 1990, Assmann 1993) sowie der kritischen Auseinandersetzung im Bereich von Bildung und Hochschulbildung gegenübergestellt wird (vgl. Adorno 1982, Adorno 2006, Horkheimer 1985). Unter der Leitfrage „Was ist Bildung? sollen folgende Teilaspekte kritisch diskutiert werden: Wie sieht Hochschulbildung heute aus? Wie kann kritische Bildung in den Sozialwissenschaften noch ermöglicht werden? Welche Rolle spielen die an der Hochschulbildung beteiligten Akteure?

Literatur
Adorno, Theodor W. (2006): Theorie der Halbbildung. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Adorno, Theodor W. (1982): Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959 – 1969. 8.Aufl. Frankfurt: Suhrkamp.
Assmann, Aleida (1993): Arbeit am nationalen Gedächtnis. Eine kurze Geschichte der deutschen Bildungsidee. Frankfurt, New York: Campus Verlag.
Bergen-Kommunikee (2005): http://www.bmbf.de/pub/bergen_kommunique_dt.pdf (31.03.2010)
Berlin-Kommunikee (2003): http://www.bmbf.de/pub/berlin_communique.pdf (31.03.2010)
Bologna-Deklaration (1999): http://www.bmbf.de/pub/bologna_deu.pdf (31.03.2010)
Budapest-Wien-Deklaration (2010): http://www.bmbf.de/pub/erklaerung_budapest_wien. pdf (31.03.2010)
Fichte, Johann Gottlieb (1919): Deducirter Plan einer zu Berlin zu errichtenden höhern Lehranstalt, in:
Spranger, Eduard (Hg.): Über das Wesen der Universität. Neue Ausgabe. Leipzig: Verlag von Felix Meiner. S. 1-104.
Göteborg-Deklaration (2001): http://www.esib.org/index.php/issues/Mobility/396-studentgoeteborg-declaration?format=pdf (31.03.2010)
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1990): Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin, in: Müller, Ernst (Hg.): Gelegentliche Gedanken über Universitäten. 1. Aufl. Leipzig: Reclam. S. 284-290.
Horkheimer, Max (1985): Begriff der Bildung. Soziologisches, Universität und Studium, in ders.: Gesammelte Schriften, Vorträge und Aufzeichnungen. Frankfurt am Main: Fischer. S. 409-419.
Humboldt, Wilhelm von (1964): Bildung des Menschen in Schule und Universität. Heidelberg: Quelle & Meyer.
Humboldt, Wilhelm von (1990): Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin, in: Müller, Ernst (Hg.): Gelegentliche Gedanken über Universitäten. 1. Aufl. Leipzig: Reclam. S. 273-283.
Kant, Immanuel (1992): Der Streit der Fakultäten. 2., veränd. Aufl. Leipzig: Reclam.
Kant, Immanuel (2004): Was ist Aufklärung?, in Vorländer, Karl (2004): Immanuel Kant. Der Mann und das Werk. Sonderausg. nach der 3. erw. Ausg. von 1992. Wiesbaden: Marix-Verl. S. 326-328.
Leuven-Kommunikee (2009): http://www.bmbf.de/pub/leuvener_communique.pdf (31.03.2010)
London-Kommunikee (2007): http://www.bmbf.de/pub/Londoner_Kommunique_Bologna_d.pdf (31.03.2010)
Prag-Kommunikee (2001): http://www.bmbf.de/pub/prager_kommunique.pdf (31.03.2010)
Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst (1998): Universitätsschriften. Herakleitos. Kurze Darstellung des theologischen Studiums. Sorbonne-Declaration

Isabella A. Enzler, studiert im 6. Semester den BA Social Sciences an der JLU Gießen und arbeitet am Institut für Soziologie als studentische Hilfskraft und Tutorin. Sie sammelte hochschulpolitische Erfahrungen im AStA, dem Senat, dem FBR und der Fachschaft. Zu ihren Studien- und Arbeitsschwerpunkten gehören Bildungssoziologie, die Kritische Theorie und die Qualitative und Quantitative Sozialforschung.

Jennifer Ch. Müller, arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin/LfbA am Institut für Soziologie der JLU Gießen und promoviert dort und am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zum Thema “Bildung in Transformation – Kämpfe um den Bildungsbegriff im Hochschulwesen”. Sie studierte an der JLU Gießen und der PU Marburg Soziologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaften, dt. Philologie und die Lehrämter an Sonderschulen, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Bildungssoziologie, die Sozialstrukturanalyse, die Kritische Theorie und die Qualitative Sozialforschung.

Dieser Beitrag wurde eingereicht von Jennifer Ch. Müller und Isabella A. Enzler.

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15. August 2011 | Posted in: Workshops | Kommentarbereich geschlossen

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