Nachhaltigkeit als kultureller Wandel – findet eine ökologische Modernisierung von Lebensstilen statt?

Die Frage, inwieweit eine Ökologisierung von Lebensstilen festgestellt werden kann, wird anhand von Ergebnissen einer qualitativen und quantitativen Haushaltsbefragung zum Klimawandel und den der Haushalte behandelt. Dabei wird nicht nur die Durchführung einzelner Energiesparmaßnahmen, sondern auch die tatsächlichen Emissionen von Haushalten mit Hilfe eines CO2 Rechner werden berücksichtigt. Die angewandten Lebensstilsegmentierung, die auf den Angaben zum sozialen Status und Lebensführungseinstellungen der Befragten basiert, kann mit dem CO2-Fußabdruck der Haushalte verbunden werden und lebensstilspezifische Unterschiede im tatsächlichen Energieverbrauch analysiert werden.

von Vera Peters

Die unten beschriebene Untersuchung würden wir gerne in Form eines Vortrags präsentieren. Unser Thema befasst sich mit der „komplexen neue Welt“, indem sozialer Wandel im Hinblick auf die ökologische Modernisierung der Gesellschaft untersucht wird. Es wird gefragt: kann eine Ökologisierung von Lebensstilen gegenwärtig festgestellt werden? Die im Zusammenhang mit dem neu beschlossenen Atomausstieg diskutierte Energiewende in Deutschland bezieht sich vor allem auf eine nachhaltigere Produktion von Energie, während die Veränderung des Energiekonsums, ein kulturelles Umdenken auf Seiten der Verbraucher im Kontext dieses bedeutenden gesellschaftlichen Wandels als Thema weitgehend gemieden wird. Soll aber eine ökologische Modernisierung der Gesellschaft stattfinden, müssen die individuellen Praktiken der Bürger mitberücksichtigt und modernisiert werden. Denn, bezogen auf den Klimawandel, werden etwa 40% der europäischen Treibhausgase durch den direkten Energieverbrauch von Privathaushalten emittiert; bezieht man die indirekten Effekte durch Konsum mit ein, steigt der Anteil noch deutlich an. Tatsächlich scheint eine ökologische Modernisierung des Energieverhaltens von Haushalten teilweise stattzufinden: die Marktforschung proklamiert ökologisch orientierte Zielgruppen wie die Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) und Lovos (Lifestyle of Voluntary Simplicity) und auch die Umweltsoziologie attestiert den Industrieländern eine voranschreitende „Ökologisierung von Praktiken“ („greening of practices“, Spaargaren, in press). Empirisch kann die These im Hinblick auf die Verbreitung einzelner Umwelthandlungen wie zum Beispiel den Einsatz von Energiesparlampen oder den Kauf biologischer Lebensmittel belegt werden. Aber gibt es über einzelne Maßnahmen hinaus ganze Lebensstile, die sich tatsächlich durch einen niedrigen Ressourcenverbrauch, einen relativ kleinen CO2-Fußabdruck auszeichnen (und sei es nur in einigen Bereichen, wie zum Beispiel der Mobilität)? In wieweit kann man bei den tatsächlichen Ressourcenverbrauch von Individuen von einer ökologischen Modernisierung von Praktiken sprechen? Diese Fragestellung soll unserem Vortrag als Ausgangspunkt dienen. Im Rahmen des Projektes GILDED, das von der Europäischen Union durch das 7. Forschungsrahmenprogramm gefördert wird, haben wir qualitative (N=202) und quantitative Daten (n=2.500) zu Einstellungen zum Klimawandel und den Energieverbrauch von Privathaushalten in fünf unterschiedlichen Ländern analysiert. Wie von Sozialwissenschaftlern immer wieder verlangt (Schützenmeister, 2010) werden in GILDED nicht nur die Durchführung einzelner Energiesparmaßnahmen, sondern auch die tatsächlichen Emissionen von Haushalten mit Hilfe eines CO2 Rechner berücksichtigt. Anhand der angewandten Lebensstilsegmentierung, die auf den Angaben zum sozialen Status und Lebensführungseinstellungen der Befragten basiert, kann der CO2-Fußabdruck für verschiedene Milieus dargestellt werden und lebensstilspezifische Unterschiede im tatsächlichen Energieverbrauch analysiert werden. Der Lebensstilansatz bietet sich über eine Typologie von gruppenspezifischen CO2-Fußabdrücken hinaus außerdem an, um den Einfluss von objektiven (z.B.sozialer Status) und subjektiven (Einstellungen) Merkmalen auf den Energiekonsum vergleichend zu untersuchen. Zuletzt soll verstärkt auf die sozialen und politischen Bedingungen in den fünf untersuchten Ländern eingegangen werden: die Infrastruktur, die nationale und lokale Klimapolitik definieren den Möglichkeitsraum für einen nachhaltigen Lebensstil und sollen in Verbindung mit den individuellen Strategien der Bürger diskutiert werden.

Quellen: Spaargaren, Gert: Theories of practices: Agency, technology, and culture: Exploring the relevance of practice theories for the governance of sustainable consumption practices in the new world-order. In: Global Environmental Change, Jg. In Press, Corrected Proof. Schützenmeister, Falk (2010): Hybrid oder autofrei? – Klimawandel und Lebensstile. In: Voss, Martin (Hg.): Der Klimawandel: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 267–281.
Dieser Beitrag ist ein eingereichter Abstract zum 3. Studentischen Soziologiekongress und steht unter dem Urheberrecht der Verfasserin/des Verfassers!

Vera Peters, arbeitet seit Mitte 2009 als Doktorantin am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Rahmen des Forschungsprojekts GILDED (Governance, Infrastructure, Lifestyle-Dynamics and Energy Demand: European Post-Carbon Communities). Sie hat an der Universität Potsdam Soziologie mit einem Schwerpunkt Umweltsoziologie studiert und beschäftigt sich vor allem mit quantitativen Analysen von umweltrelevanten Einstellungen und Verhaltensweisen.

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15 Kommentare bis “Nachhaltigkeit als kultureller Wandel – findet eine ökologische Modernisierung von Lebensstilen statt?”

  1. Alex sagt:

    Hallo, ich bin Alex und blogge live vom Vortrag zur Nachhaltigkeit als kulturellen Wandel.
    Los geht es mit dem Lebensstilkonzept. Interessanterweise haben die unterschiedlichen Milieus stark abweichende ökologische Fußabdrücke.

  2. Alex sagt:

    Bei Schulzes Lebensstilkonzept müsste es ähnlichen Energieverbrauch geben.

  3. Alex sagt:

    Ergebnisse der Studie.
    Kapitalachse und Werteachse (Materialistisch/Hedonistisch – Mischformen – Umweltbewusste Werte).
    Umweltbewusstsein hängt nicht vom Kapital ab.

  4. Alex sagt:

    Hier die sechs Typen der Lebensstilanalyse im Kreis Potsdam:

    Materialistisch Orientierte
    Statusorientierte Traditionelle
    Verweigerer
    Wertorientierte Umweltbewusste
    Umweltbewusste Bescheidene
    Unkonventionelle Moderne (am ehesten Lo-Has)

  5. Alex sagt:

    Keine der Gruppen hat einen signifikant niedrigeren Energieverbrauch.
    Low Emitters – was sind das für eine Gruppe?

  6. Alex sagt:

    Hier noch einige Fragen aus dem Publikum:

    Wie sieht es mit der sozialen Erwünschtheit aus?
    Sind die Items der Studie international vergleichbar?

    Eine Wortmeldung aus der allgemeinen Diskussion:
    Hinweis auf systemische Gefangenheit in Interviewsituationen.
    Menschen in der Uckermark können mitunter nicht auf ihr Auto verzichten.
    Hans Jonas: das Prinzip Verantwortung – das Handeln auf das Prinzip Menschlichkeit auf diesem Planeten auszulegen. Entschleunigung hin oder her, aber in diesem System schert sich keiner darum.
    Beispiel des Slow Media Manifestes. Doch sind Nachhaltigkeit und Beschleunigung der falsche Ansatz, weil der ideologische Hammer über dem Wagnis stehen würde, das eigentlich gegangen werden müsste.

  7. Ronalee sagt:

    This “free sharing” of information seems too good to be true. Like cmomunism.

  8. kpgawnppl sagt:

    PHuhmd , [url=http://wwkxeksbrklc.com/]wwkxeksbrklc[/url], [link=http://ddvjaudzbmbj.com/]ddvjaudzbmbj[/link], http://sdesrdsojluu.com/

  9. wgnygeullwn sagt:

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