Stop: No! Don’t! Eine soziologische Analyse von Verbots- und Hinweisschildern in Großbritannien und Österreich

Diese Präsentation wird sich mit der gegenwärtigen Warn-, Verbots- und Hinweisbeschilderung in den Städten Colchester und Wien auseinandersetzen. Anhand von Photomaterial, das bei Stadtteilbegehungen gesammelt wurde, wird der Gegenstandsbereich aufgezeigt und problematisiert. Anschließend erfolgen gesellschaftspolitische und theoretische Überlegungen, die dazu dienen sollen, den vermeintlich banalen Alltagsgegenstand der Warnhinweise als Analysemittel einer „Komplexen neuen Welt“ aufzunehmen. Kernfragen hierbei werden die Disziplinierung und Reglementierung individuellen und gesellschaftlichen Verhaltens betreffen. Neben dem gesellschaftlichen Stellenwert von Privateigentum und dessen rechtliche Absicherung, wird sich unter anderem auf den Grad des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der gesellschaftlichen Kommunikation im Allgemeinen konzentriert

von Thomas Miemietz und Franziska Buttler

Grundlage dieser Präsentation ist die Beobachtung von stetig zunehmenden, und das Erleben der Alltagswelt prägenden Vorschriften, Kontrollen und Überwachungstechniken im öffentlichen Raum.
Es hat den Anschein als würde individuelles und kollektives Verhalten vor vermeintlichen Gefahren gewarnt um die soziale Ordnung aufrechtzuerhalten. Eine zunehmende Normierung und Steuerung in zahlreichen Lebensbereichen führt zu einer wachsenden Bevormundung und einer damit einhergehenden Entmündigung der Individuen, welche dafür im Gegenzug eine Illusion von Sicherheit erhalten. Der herrschende neoliberale Handlungsrahmen lässt in fast allen Bereichen, sei es im Privaten oder im Öffentlichen, ein reglementierendes Gefüge entstehen, in dem ein emanzipatorisches Subjekt kaum Platz zu finden scheint. Ob in der Arbeit, dem Gefühlsleben oder der Freizeit, überall bestehen neue Konformitätszwänge, nach denen es sich zu richten gilt. Dieser, die Gesellschaft durchdringende Regulierungsprozess, hat diverse Erscheinungsformen. Unter anderem begegnet er uns in ganz banalen Alltagshandlungen und verweist beispielsweise auf das richtige Öffnen einer Tür, das korrekte Waschen der Hände oder die Einhaltung eines Rauchverbots. Markiert wird dies anhand einer Beschilderung, die graphisch oder schriftlich zu einem bestimmten Handeln anleitet. Diese Zeichen oder Artefakte, die uns in der Sinnwelt gegenübertreten, können durchaus nützlich sein aber häufig auch absurde Züge annehmen. Beschilderung, ob von staatlichen oder privaten Akteuren angebracht, lässt sich an öffentlichen Orten in unterschiedlichem Ausmaß auffinden und deckt verschiedenste Sachverhalte ab. Eine Betrachtung der Dimensionen, der Intensität sowie des Gegenstandbereichs dieser Verbots- und Hinweisschilder gibt unter soziologischer Perspektive Aufschluss über verschiedenste Phänomene. Zum einen kann daran die Disziplinierung bzw. Reglementierung individuellen Verhaltens im öffentlichen Raum beobachtet werden. Eine weitere entscheidende Rolle spielt der gesellschaftlich Stellenwert von Privateigentum, dessen Schutz durch eine Beschilderung häufig zum Ausdruck gebracht wird. Ebenso beeinflussen rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Schürung von Ängsten den Umgang mit Verbots- und Warnschildern. Außerdem stellt sich auch die Frage nach dem Grad des gesellschaftlichen Zusammenhalts bzw. des Zusammenlebens. Welche gesellschaftliche Kommunikation wird hier vollzogen und vertreten? Wollen wir wirklich über anonyme Schilder, die im Befehlston Vorschriften geben kommunizieren? Gibt es alternative Kommunikationsmöglichkeiten, die allgemeingültige Verhaltensweisen aushandeln könnten? Ein weiterer entscheidender Aspekt betrifft die Praxis – inwieweit beeinflussen die Schilder tatsächlich unser Verhalten? Und werden sie überhaupt wahrgenommen?
An dieser Vielzahl an Kategorien wird deutlich, dass es sich bei Verbots- und Hinweisbeschilderung um keinen banalen Gegenstand handelt, sondern um ein Analysemittel, das geeignet ist unterschiedlichste soziale Phänomene zu untersuchen. Ausgangspunkt des Vortrags wird die Analyse von Verbots- und Warnschildern im öffentlichen Raum sein. Anhand von Photomaterial, das bei mehreren Stadtteilbegehungen gesammelt wurde, werden die verschiedenen Handlungsanweisungen analysiert und zur Diskussion gestellt. Hierbei wird die allgegenwärtige Beschilderung in zwei verschiedenen Städten – Colchester und Wien – betrachtet. Die beiden Regionen sind durch unterschiedliche soziale, kulturelle und rechtliche Kontexte geprägt, wodurch auch ein anderer Umgang mit Verbots- und Warnschildern zu verzeichnen ist. So erscheint das Ausmaß und die Intensität der Beschilderung in England amüsant und belästigend zugleich, während die Hinweisschilder in Österreich weniger aufdringliche Züge annehmen.
Der Vortrag beginnt mit der Vorstellung und der Problematisierung des Untersuchungsmaterials und wird von weiterführenden gesellschaftspolitischen Überlegungen gefolgt. Bei der hier vorgeschlagenen Präsentation handelt es sich um kein abgeschlossenes Forschungsprojekt, ebenso wird der Vortrag durch das zahlreiche Bildmaterial einen starken visuellen und durch die anschließenden theoretischen Reflexionen einen recht interaktiven Charakter annehmen. Ziel wird es sein, anhand eines scheinbar gewöhnlichen Gegenstandes vielfältige gesellschaftliche Zustände und Facetten zu beleuchten und theoretisch zu erfassen.

Thomas Miemietz, studiert im 3. Semester an der Universität Wien mit den Interessenschwerpunkten Kultursoziologie, Emotionssoziologie, soziologische Theorien sowie
Soziologie des Ökonomischen.

Franziska Buttler, befindet sich zurzeit im 3. Trimester an der University of Essex und schreibt an bihrer Master-Arbeit, welche Stigmatisierungsprozesse und deren Beitrag zur Aufrechterhaltung von ungleicher Lebenschancenverteilung behandelt.”.

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12 Kommentare bis “Stop: No! Don’t! Eine soziologische Analyse von Verbots- und Hinweisschildern in Großbritannien und Österreich”

  1. Alex sagt:

    Franziska war in Großbritannien und erschlagen von einer Schilderflut. So kam es zu diesem Vergleich zwischen Großbritannien und Österreich, wo Thomas sich in Wien umschaute. Es gibt noch keine Theorie, der Vortrag ist lediglich der Versuch ein Phänomen aus dem Alltag zu beleuchten. Soweit die “Schilderung” des Phänomens.

  2. Alex sagt:

    Der Einstieg mit dem Bild eines erst gestern gemalten Rauchverbotsschildes im Kongresscafé A.
    Ich freue mich auf viele weitere schöne Bilder in diesem Vortrag.

  3. Alex sagt:

    Der Vortrag ist bunt, es spottet jeder Beschreibung, die Bilder erklären zu wollen.
    “Bitte nicht aufs Dach (eines Baumakrts) steigen.” “NO CYCLING AT ANY TIME”.
    “NO BALL GAMES” “DANGER OF LIFE”. “ATTENTION, OUR FOOD IS SERVED HOT.”
    Im Supermarkt hinter den Kassen: “Please don’t forget your bags”.

  4. Alex sagt:

    Ebenso schön sind die Handlungsanweisungsschilder zur richtigen Benutzung eines Einkaufswagens.
    Bitte halten sie diese Unterwäsche vom Feuer fern.

  5. Alex sagt:

    “Auf dem Weg zur Uni werde ich mindestens dreimal vom plötzlichen Ableben bedroht.” – “DANGER OF DEAD”

  6. Alex sagt:

    Anleitung zum richtigen Husten und Niesen:
    “Coughs and sneezes spread diseases”.

  7. Alex sagt:

    Und nun: die Dialektik der Schilder.
    “Automatic Door” und “Pull”.

  8. Alex sagt:

    Wir springen nach Wien. Für einen Türöffner wird hier nur ein Hinweis benötigt, in England waren es vier oder fünf für einen Knopf.

  9. Alex sagt:

    In Österreich sind die Schilder gerne auch mal dreisprachig, oft zweisprachig.

  10. Alex sagt:

    Der Versuch einer theoretischen Einbettung: Disziplinierung der Individuen im öffentlichen Raum im Foucaultschen Sinne?
    Ambivalenz zwischen Freiheit und Unsicherheit mit Rekurs auf Baumann.

  11. Alex sagt:

    Frage aus dem Publikum: Ist das Schild an sich nicht redundant, weil der Raum schon vorgeprägt, informatisiert ist?
    Beispiel eines Schildes am Absperrzaun.

    Normative Durchfähigkeit der Schilder?

    Raumsoziologischer Anschluss – wie werden Räume wahrgenommen, gibt es etwas vorstrukturiertes, eine Materialität? Oder liegt es im Individuum.

  12. Alex sagt:

    Zum Schluss entlädt sich noch eine Diskussion um Materialismus und Sozialkonstruktivismus.


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