Multilokales Wohnen. Ein quantitativ erfassbares Phänomen der komplexen neuen Welt?

Die Präsentation wird sich mit folgenden Fragestellungen auseinander setzen: Zunächst soll geklärt werden, was der Begriff „multilokales Wohnen“ bedeutet und in wie fern es ein Phänomen darstellt, dass erst in der „komplexen neuen Welt“  Bedeutung erlangt. Davon ausgehend, dass im Zusammenhang von  Modernisierung und Globalisierung immer mehr Menschen ihren Alltag multilokal organisieren, wird auch das Interesse von Kommunen und Forschung  steigen, wie viele Menschen in und aus unserer Gesellschaft multilokale Wohnarrangements unterhalten. In wieweit sich multilokales Wohnen allerdings mit quantitativen Methoden erfassen lassen kann, soll in diesem Vortrag erörtert werden.

von Mira Freiermuth

Wo ist das Zuhause eines jeden Individuums in einer komplexen neuen Welt? Mehr Menschen denn je haben mehr als ein Zuhause. Sie wohnen multilokal. Multilokales Wohnen bezeichnet den Zustand, dass der Lebensalltag an mehr als nur einem Ort verbracht wird. Dieses Phänomen findet sich vereinzelt auch in der Geschichte, jedoch scheint es in Zeiten der Globalisierung und der Zweiten Moderne brisanter denn je zu sein. Hohe Mobilität wird den Mitgliedern der globalisierten Welt in einem wesentlich höheren Maße abverlangt. Es sind nicht mehr einige wenige Menschen, die als multilokal Wohnende eine Ausnahme darstellen. Heutzutage finden sich quer durch die Sozialstruktur multilokale Wohnarrangements. Es finden sich Beispiele bei den jüngsten bis zu ältesten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Die Gruppen, die uns am ehesten im Bewusstsein sind und somit als Paradebeispiele gelten können, sind zum Beispiel Studierende, Montagearbeiter_innen und „Ost- West- Pendler_innen“. Das Forschungsfeld des Multilokalen Wohnens ist ein relativ junges. Bisherige wissenschaftliche Annäherungen an das Phänomen waren bis dato meist qualitativer Natur. Auf der Ebene der amtlichen Statistiken bilden der Fragenkatalog des „Mikrozensus“, die der „Laufenden Bevölkerungsumfrage“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zur Multilokalität und eine Auswertung von Datensätzen der Kommunalstatistik von Gabriele Sturm und Katrin Meyer aus dem Jahre 2009 die Ausnahmen. Der Schwerpunkt dieses Vortrags sollen Ergebnisse meiner Bachelor-Arbeit sein, deren Fokus auf der methodischen und methodologischen Problematik einer quantitativen Erfassung von Multilokalität liegt. Als Datenbasis wurde der Fragenkatalog zur Multilokalität der „Laufenden Bevölkerungsumfrage“ des BBSR aus dem Jahre 2009 ausgewählt. Die methodischen und methodologischen Probleme, die auftreten und in dieser Arbeit beleuchtet werden, sind allerdings eher als generelle Probleme aufzufassen. Überspitzt formuliert könnte aus diesem Grunde davon gesprochen werden, dass es schwer, vielleicht sogar unmöglich ist, Multilokalität quantitativ zu erheben.

Mira Freiermuth, studiert an der Technischen Universität Chemnitz Soziologie im zweiten Mastersemester. Im Frühjahr 2010 absolvierte sie ein Praktikum am Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung in Bonn, bei dem sie das dem Vortrag zugrundeliegende Datenmaterial zur Verfügung gestellt bekam.

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9 Kommentare bis “Multilokales Wohnen. Ein quantitativ erfassbares Phänomen der komplexen neuen Welt?”

  1. Alex sagt:

    Mira wird damit vorgestellt, dass sie in den “Wilden Osten” nach Karl-Marx-Stadt gegangen sei. Ich bin Alex aus Berlin und blogge live von Miras Vortrag.

  2. Alex sagt:

    Was heißt Multilokalität?
    Vita Activa an mehreren Orten, die zu verschiedenen Zeiten verschiedenhäufig aufgesucht werden.

  3. Alex sagt:

    Die Komplexität des Multilokalen Wohnens wird versucht mit einer Mindmap zu visualisieren.

  4. Alex sagt:

    Unterschiedlichste Formen, Multilokalität ist nur der Überbegriff.
    Kleinkind getrennter Eltern, Paare die nicht an einem ort leben, Geschäftsleute an mehreren Orten.
    Ganz grob dient auch noch die Unterscheidung zwischen freiwilliger und gezwungener Multilokalität.

  5. Alex sagt:

    Zwei Datensätze, Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Von mehr als 2000 Haushalten leben 3 % (119) direkt multilokal, die nun genauer ausgewertet werden. Alle Altersgruppen leben multilokal, auch quer durch die Berufsstände. Doch ist die Bildung tendenziell hoch und es gibt wenige Nicht-Erwerbstätige. Weniger Frauen als Männer leben multilokal.

  6. Alex sagt:

    Neue Studien gehen von bis zu 10 % multilokal Wohnenden aus, allerdings gibt es dafür keinerlei Nachweise. Das Phänomen werde prinzipiell unterschätzt.

  7. Alex sagt:

    Mira erzählt eine Anekdote aus einer Mitfahrgelegenheit. Der Fahrer fuhr jede Woche je von Görlitz über 1000 Kilometer nach Brüssel und zurück, war sich aber nicht dessen bewusst, dass er an mehreren Orten lebt.

  8. Alex sagt:

    Frage nach weiteren Daten – warum nicht spezifisch zum Beispiel über mitfahrgelegenheit.de
    Studierende gelten seit jeher als Multilokale, aber es gibt erstaunlicherweise keine Studie darüber.

  9. Alex sagt:

    Frage aus dem Punlikum, ob es nicht eher ein Vorteil für die Forschung wäre, dass das öffentliche Bewusstsein über Multilokalität nicht existiert, somit gäbe es auch keine Kategorien und das eigene Forschungsfeld könnte selbst bestellt werden.

    Mira findet das schwer zu beurteilen, weil sie den Menschen auch keine Fangfragen stellen möchte und das Bewusstsein über Multilokalität ihre Forschung erleichtern würde. Insgesamt bevorzugt sie eh qualitative Forschung.


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