Von links nach rechts zur Mitte? Auswirkungen von cross-pressures auf die Links-Rechts-Selbstpositionierung

In den Theoriemodellen der Wahlforschung geht es immer darum, wie ein Wähler zu seiner Wahlentscheidung kommt. Dabei wird in der Regel impliziert, dass seine ideologische Selbstpositionierung auf der Links-Rechts-Skala als grober Richtwert – sprich als Parteisurrogat – herangezogen werden kann. Im mikrosoziologischen Modell der Wahlentscheidung wird ein Fokus auf Wähler gelenkt, die unter so genannten cross-pressures, also psychologischen Widersprüchen stehen. Wir analysieren mit eigenen Daten aus dem Bayernbarometer (Erhebungszeitraum Mai-September 2011) wie hoch der Anteil der Befragten ist, die unter solchen cross-pressures stehen und fokussieren dabei auf die ideologische Verortung des Befragten selbst, sowie seines unmittelbaren, persönlichen Umfelds. Das ermöglicht es zu betrachten welche Personen –Familienmitglieder oder Freunde – den größten Einfluss auf die Befragten haben.

von Jasmin Fitzpatrick, Gloria Remlein und Regina Renner

Seit der Französischen Revolution wird die politische Topographie (Laponce) mit den Dimensionen Links-Rechts erfasst. Dies reduziert im systemtheoretischen Sinne die Komplexität der politischen Welt und ermöglicht gemäß des Rational-Choice Ansatzes (Downs) short-cuts zum Beispiel bei der Wahlentscheidung. Die Links-Rechts-Skala gilt dabei seit 1976 als etabliert (Inglehart/Klingemann). Im wissenschaftlichen Diskurs wird immer wieder die Mehrdimensionalität des Links-Rechts-Skala betont, die sowohl Aussagen über die soziale Lage, Werte und auch eine Einordnung ins politisch e Spektrum erlaubt. Dies impliziert also, dass das persönliche Umfeld entscheidenden Einfluss auf die Selbstpositionierung eines Befragten auf der Skala hat. Durch die Prozesse der Individualisierung und des sozialen Wandels gestaltet sich dieses persönliche Umfeld komplexer denn je, man spricht dabei von Heterogenität der sozialen Kreise (Columbia School). Wenn jemand in einem heterogenen Umfeld lebt, ist er auch bei seiner Selbstpositionierung auf der Links-Rechts-Skala einem Spannungsfeld ausgesetzt, auf ihn wirken cross-pressures (Columbia School).

Die Würzburger Wahlstudien, die maßgeblich von Studierenden mitgestaltet werden, erfassen nicht nur die Daten der Befragten. Mittels einer im Fragebogen integrierten Haushaltsmatrix ist es auch möglich Rückschlüsse auf das Umfeld der Befragten zu ziehen. Diese Matrix wurde um die Links- Rechts-Skala erweitert. Wir haben untersucht, wie sich Befragte unter Einwirken von cross-pressures bei ihrer Einordnung auf der Links-Rechts-Skala verhalten.

Jasmin Fitzpatrick, Gloria Remlein und Regina Renner, sind Mitglieder einer studiengangsübergreifenden Forschungsgruppe, die an der Universität Würzburg Wahlverhalten und politische Einstellungen in Würzburg und Bayern untersucht. Regina Renner studiert Politikwissenschaft und Soziologie im 10. Semester auf Magister und zählt zu den Gründungsmitgliedern der AG Wahlforschung in Würzburg, ebenso wie Jasmin Fitzpatrick, die Politikwissenschaft und Soziologie im 2. Semester Masterstudiengang studiert und ihre Bachelor-Thesis zur Links-Rechts-Skala verfasst hat. Gloria Remlein ergänzt als Bachelorstudentin (4. Semester, Politikwissenschaft und Soziologie) das Trio und ist seit 2011 am Bayernbarometer beteiligt.“

Dieser Beitrag wurde eingereicht von Jasmin Fitzpatrick, Gloria Remlein und Regina Renner.

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14 Kommentare bis “Von links nach rechts zur Mitte? Auswirkungen von cross-pressures auf die Links-Rechts-Selbstpositionierung”

  1. Ann Koch sagt:

    Hallo, Ich bin Ann und berichte live vom Panel Staat und Politik.
    Erster Vortragender ist Bastian Bernich. Er referiert über die Einstellung zur europäischen Union.
    Bastian Bernich hatte mehrere Jahre lang die Zustimmung der europäischen Union in verschiedenen europäischen Staaten gemessen.
    zunächst erklärt er den Aufbau seiner Untersuchung:
    Dabei war das abhängige Item: “Ist die Mitgliedschaft ihres landes in der eurpäischen Union eine positive/negative Sache?”
    Weitere Variablen war das Alter, wobei Kohortengruppen gebildet wurden und dann jüngere und ältere Altersgruppen verglichen wurden. So zeigt sich, in welchen Ländern eher jüngere Kohorten proeuropäisch eingestellt sind, in welchen EU-Mitgliedstaaten eher jältere Kohorten proeuropäisch eingestellt sind und wie sich die Altersverteilung im Laufe der Jahre verändert hat.
    Schlussfolgerung: Länder ohne Kohorteneffekte: Frankreich, Schweden, Luxemburg, Belgien, Niederlande: Je jünger die Bevölkerung bleibt, desto proeuropäischer ist diese Bevölkerung der EU gegenüber eingestellt. Der Alterseffekt ist in diesen Ländern überwiegend negativ.

  2. Ann Koch sagt:

    Nun wird die Diskussion eröffnet.
    Eine Frage gibt es zu den Umfrageergebnissen aus Schweden: Hier wurde ein Kohorteneffekt beobachtet, da die älteren Altersgruppen einen höheren Anteil haben bei einer proeuropäischen Einstellung.

  3. Ann Koch sagt:

    “Hast du mal versucht auch noch weitere Variablen einfließen zu lassen?”
    Zwar wurde dies versucht mit der Variablen Geschlecht, allerdings war diese weniger aussagekräftig als das Alter.
    “Hast du mal versucht, ob das nen Einfluss hat, wie lange die Länder schon Mitglied der europäischen Union sind?” “Nein, aber das ist ne interessante Idee.”
    “In welchem Rahmen willst du diese Ergebnisse dann verwerten?” Die Präsentation sei ja im Rahmen einer Hausarbeit entstanden, Es sollte wohl noch ein Artikel dazu geschrieben werden.

  4. Ann Koch sagt:

    Bei weiteren Fragen wird gebeten, auf Bastian noch einmal zuzukommen.

  5. Ann Koch sagt:

    Weiter geht es mit dem Vortrag “von Links nach rechts zur Mitte.” Mitglieder der Arbeitsgruppen sind: Jasmin Fitzpatrick, Gloria Remlein und Regina Renner.

  6. Ann Koch sagt:

    1.) Vorstellung politischer Topographie:

    Erklärung der politischen Ideologie und Links-Rechts-Dimension. Diese übersetze politische Sachverhalte. Die komplexe Realität wird dadurch vereinfacht.

  7. Ann Koch sagt:

    bei der persönlichen Selbstidentifikation wird meist zwischen drei Ebenen unterschieden:
    -Soziale Lage
    -Werte
    -Parteiidentifikation

  8. Ann Koch sagt:

    Aber worauf beruht die individuelle Links-rechts-Einstufung:

    Dafür gibt es zwei Theorien: Die Surrogartsthese und Wertedeterminismusthese

  9. Ann Koch sagt:

    In der eigenen Umfrage, dem Bayern-Barometer werden verschiedene Ansätze miteinander verbunden.

    Eine wichtige Frage für die Liks-Rechts-Positionierung ist: Wie handelt mein Umfeld?
    In der komplexen neuen Welt gibt es kein homogenes Umfeld, stattdessen befinden sich die meisten Individuen in verschiedenen Kreisen. Daher stellt sich die Frage, welcher dieser Kreise den wichtigsten Einfluss haben, bzw. welchen Einfluss die unterschiedlichen Kreise haben.

  10. Ann Koch sagt:

    Hypothesen:
    Politische Ideologie ist ähnlich bei Eltern und Kindern
    Zwischen Partnern ist die politische Ideologie ähnlicher als zwischen den Arbeitskollegen.

  11. Ann Koch sagt:

    Zur Auswertung der Befragung:

    Beide Hypothesen können bestätigt werden. Sowohl die Eltern haben einen Einfluss, den größten Einfluss haben die Partner. Hier könnte es sich zwar auch um wechselseitige Einflusse handeln. Der Übereinstimmung in der Positionierung mit den Arbeitskollegen ist dagegen verschwindend gering.

  12. Ann Koch sagt:

    Weiteres Forschungsvorhaben:
    Nähere Untersuchungen von Cross-pressure-Effekten.

  13. Ann Koch sagt:

    Nun wird die Diskussion eröffnet.

  14. Ann Koch sagt:

    Wie geht man mit unterschiedlichen Verständnissen von Links und rechts um?
    Hier gebe es natürlich das Problem der sozialen Erwünschtheit, wenn es darum geht, sich als Rechts einzustufen.Den Befragten wurde höchste Datensicherheit zugesichert, in der Befragung wurde versucht, Effekte sozialer Erwünschtheit zu minimieren

    “Haltet ihr es grundsätzlich für sinnvoll, eine Links-rechts-Skala zu verwenden?” Dieser könne man durchaus Aussagekraft zugestehen, denn die Links-Rechts-Skala sei sehr tief verwurzelt.


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