Wer im Fernsehen stirbt ist schöner tot. Repräsentierte Tote in deutschen und amerikanischen TV-Serien. Ein filmsoziologischer Kulturvergleich.

Der gesellschaftliche Umgang mit dem Tod in der modernen Kultur hat sich grundlegend geändert. Dies zeigt sich unter anderem an den immer häufiger auftretenden Darstellungen von Toten in neuen TV Serien des 21. Jahrhunderts. Obwohl soziologische Theorien der Moderne auf »Privatisierung« und »Tabuisierung« des Todes und vor allem auch auf seine Ausweisung in spezialisierte Institutionen verweisen, bahnt sich eine neue Sichtbarkeit des Todes speziell in der audio-visuellen Kultur der Postmoderne an. Doch zeigen die neuen Repräsentationsformen tatsächlich die »Realität des Todes« oder sehen wir nur durch ästhetische Codes maskierte Verweise auf den Tod? Zentrale Fragestellungen des Projektes sind: Welche Rückschlüsse lassen sich aus den Kodierungen der Totendarstellungen auf die aktuelle gesellschaftliche Bedeutung des Todes ziehen? Welche Entwicklung fand hinsichtlich der Repräsentationen von Toten im 20. und 21. Jahrhundert statt? Wodurch unterscheiden sich amerikanische und deutsche Repräsentationen und welche Rückschlüsse auf national-gesellschaftliche Tabus lassen sich hieraus ziehen?

von Patrick Schubert

Der Film ist tatsächlich eine »Quelle des Wissens über Gesellschaft« wie Schroer (2007) behauptet, denn mediale Bilder spielen eine große Rolle für die kollektive Wissensproduktion, insbesondere wenn der reale Bezug zu einem eher abstrakten oder schwer zugänglichen Gegenstand hergestellt werden soll. Konventionalisierte Visualisierungen solcher Sachverhalte werden zum kollektiven Bildwissen einer Gesellschaft. Der gesellschaftliche Umgang mit dem Tod in der modernen Kultur hat sich grundlegend geändert. Dies zeigt sich unter anderem an den immer häufiger Auftretenden Darstellungen von Toten in neuen TV Serien des 21. Jahrhunderts. Obwohl soziologische Theorien der Moderne auf »Privatisierung« und »Tabuisierung« des Todes und vor allem auch auf seine Ausweisung in spezialisierte Institutionen verweisen (vgl. Foucault 2005), bahnt sich eine neue Sichtbarkeit des Todes in der Postmoderne an (vgl. Macho 2007 und Belting 2000). Doch zeigen die neuen Repräsentationsformen tatsächlich die »Realität des Todes« oder sehen wir nur durch ästhetische Codes maskierte Verweise auf den Tod? Ich möchte die Ergebnisse der Dissertation von Tina Weber »The Representation of Corpses in New TV Shows of the 21st Century«[1], wonach massiv ästhetisierte Darstellungen toter Körper in amerikanischen TV-Serien zu finden sind, mit der von mir für meine B.A.-Arbeit analysierten deutschen TV-Serie Tatort vergleichen. Im Fokus der Analyse sollen die möglichen, unterschiedlichen Darstellungscodes toter Körper stehen, damit ein interkultureller Vergleich angestellt werden kann. Fraglich ist, ob die deutsche Krimiserie Tatort andere filmische Codes verwendet als ihre amerikanischen Pendants und wie sich dies auf eine Anwendung der These der Tabuisierung des Todes auf Deutschland auswirkt. Auch in Betracht kommt eine Übernahme der neu auftretenden, amerikanischen Codes in die Serie Tatort im Sinne einer »Westernisierungs- « bzw. »Amerikanisierungsthese «. Vorstellen möchte ich in jedem Fall die Ergebnisse meiner Analyse und damit zusammenhängend den Inhalt meiner B.A.-Arbeit.

Literatur
Belting, H. (2000), »Bild und Tod. Verkörperung in den frühen Kulturen.«, In: Ders. (Hg.), Bildanthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft, Wilhelm Fink, München.
Foucault, M. (2005), Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks, 7 ed., Frankfurt a.M., Fischer.
Macho, Thomas & Marek, Kristin (Hg.) 2007 Die neue Sichtbarkeit des Todes, Wilhelm Fink, München. Schroer, M (2007), Gesellschaft im Film, UVK, Konstanz.

Patrick Schubert, studiert B.A. Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung an der TU-Berlin und ist studentische Hilfskraft im von der Volkswagenstiftung geförderten Drittmittelprojekt »Tod und toter Körper. Zur Veränderung des Umgangs mit dem Tod in der gegenwärtigen Gesellschaft.

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4 Kommentare bis “Wer im Fernsehen stirbt ist schöner tot. Repräsentierte Tote in deutschen und amerikanischen TV-Serien. Ein filmsoziologischer Kulturvergleich.”

  1. Toller Vortrag, ab jetzt wird man nie wieder am Sonntag einen Tatort sehen können, ohne an die soziologische Betrachtung der Obduktionsszene zu denken :-)

  2. “Es sterben in der tat sehr wenige ethnische Minderheiten im Tatort”

  3. Offensichtlich ist Patrick nicht der einzige, der auf die Idee gekommen ist. Eben beim BildBlog entdeckt: Eine Pressemitteilung der Uni Münster, über eine Diss., die tatsächlich ebenfalls die Darstellung von Toten im Tatort analysiert.


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