Zur Weiblichen Kultur. Brücken zwischen Georg Simmel und Marianne Weber

Georg Simmel wird als Zeitdiagnostiker der vorletzten Jahrhundertwende und als Theoretiker der einsetzenden Moderne geschätzt. In diesem Vortrag werden seine eher unbekannten Schriften zur Frauen- und Geschlechterproblematik des ausgehenden 19. Jahrhunderts vorgestellt. Dabei werden seine Analyse der damaligen Geschlechterproblematik und sein Lösungsansatz für dieses gesellschaftlich relevante Thema mit Gedanken von Marianne Weber vergleichend in Beziehung gesetzt. Beide können als Schlüsselautoren zum Begriff der weiblichen Kultur der vorletzten Jahrhundertwende bezeichnet werden.

von Julia Schellnock

Das 19. Jahrhundert ist geprägt von einer Vielzahl an Veränderungen. Die so genannte Frauenfrage wird, insbesondere zur Jahrhundertwende hin, in weiten Teilen der Gesellschaft diskutiert. Es wird öffentlich darüber debattiert, ob und wie Frauen an der Gesellschaft teilhaben können. Georg Simmel setzt sich in seinem gesamten Schaffenszeitraum in insgesamt 31 Schriften mit dieser Thematik auseinander. Er setzt sich nicht nur für die Gymnasialbildung von Mädchen und das Frauenstudium ein, sondern beleuchtet in seinen Frauen- und Geschlechterstudien auch tagesaktuelle Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei werden deutliche Parallelen zu seinem sonstigen Werk und insbesondere zu seinem Kulturbegriff sichtbar, den er mit der Dimension des Geschlechts verknüpft und so den Begriff der Weiblichen Kultur nachhaltig prägt. Marianne Weber war nicht nur die Ehefrau und Gefährtin von Max Weber, sondern war aktiv in der bürgerlichen Frauenbewegung tätig, unter anderem als Vorsitzende des Bundes deutscher Frauenvereine (1919-1923). Sie saß als Abgeordnete im Badischen Landtag für die Deutsche Demokratische Partei. Darüber hinaus verfasste sie unter anderem mehrere soziologische Studien und zählt mit ihrem Hauptwerk Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung noch heute als bedeutende Autorin der rechtsgeschichtlichen Forschung. Marianne Weber hat sich mit Georg Simmels Studien zur Weiblichen Kultur auseinandergesetzt und einen teilweise publizierten und in Briefen verfassten ‚Dialog‘ mit ihm zu diesem Thema geführt. Im Vortrag sollen die Hauptgedanken und Positionen von Simmel und Weber vorgestellt werden und auf breiter Basis, d.h. bezüglich ihres Kulturbegriffes und ihrer Ansichten zur Frauen- und Geschlechterproblematik, verglichen werden. Dabei wird sich zeigen, dass es neben einer Vielzahl an Unterschieden bedeutsame Gemeinsamkeiten gibt und sich für diese Gegenüberstellung das Bild der Brücke, wie es Georg Simmel beschreibt, als Metapher anbietet.

Julia Schellnock, ist Diplom-Soziologin und promoviert seit dem Wintersemester 2010/2011 zum Thema „Begriff der Weiblichen Kultur“ an der Technischen Universität Dresden. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf Soziologischer Theoriengeschichte, Kultur- und Wissenssoziologie sowie Geschlechterverhältnissen.

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