Prostitution im feministischen Diskurs

Die Frauenbewegung ist eine der bedeutendsten sozialen Bewegungen. Dass der Feminismus – im Unterschied zu vielen Darstellungen – vielschichtig, komplex und heterogen ist, zeigt Sophie Maria Ruby am Thema Prostitution. Wie wird Prostitution als soziales Phänomen im feministischen Diskurs verhandelt? Welche Interpretationen desselben werden in diesem Diskurs gegeben? Wie stehen Feminist_innen beispielsweise zu der – mittlerweile in den Medien hegemonialen – Sichtweise auf Prostitution als „normaler Beruf“? Bricht Prostitution das Patriarchat auf oder perpetuiert sie es? Wie soll aus Sicht von Feminist_innen die Gesetzgebung zu Prostitution gestaltet werden? Im Vortrag werden Deutungsangebote des Diskurses zu diesen Fragen vorgestellt. Die Autorin und Vortragende freut sich auf eine lebhafte Diskussion im Anschluss.

von Sophie Maria Ruby

Die Frauenbewegung ist eine der bedeutendsten sozialen Bewegungen, insbesondere der letzten vier Jahrzehnte. Im öffentlichen und auch im wissenschaftlichen Diskurs wird Feminismus meist als etwas homogenes dargestellt. Dass der Feminismus jedoch vielschichtig, komplex und heterogen ist, zeigt diese Arbeit am Thema Prostitution. Wie wird Prostitution als soziales Phänomen im feministischen Diskurs verhandelt? Welche Interpretationen desselben werden in diesem Diskurs gegeben? Diesen Fragen geht die Bachelorarbeit in der Perspektive der Diskursanalyse nach. Zunächst wird dazu die Pluralität des Feminismus überblicksartig dargestellt, wobei in der Beschreibung der Heterogenität des feministischen Diskurses in der Thematik, den Perspektiven, Herangehensweisen und Positionierungen auch das den Feminismen „gemeinsame Band“ (Becker-Schmidt/Knapp 2007:7) im Blick behalten wird. Anschließend daran erfolgt die methodische Grundlegung. Zurückgegriffen wird hierbei auf den Diskursbegriff Foucaults. Mittels der Verknüpfung des Foucault‘schen Diskursbegriffs mit dem Konzept Rahmen von Gerhards sowie demjenigen der Trennung von Deutungsangeboten und Deutungsvorgaben von Schwab-Trapp wird das begriffliche Instrumentarium aufgebaut. Mit diesem wird in den folgenden Kapiteln der feministische Diskurs zu Prostitution betrachtet, wobei eine umfangreiche Literaturbasis bearbeitet wird. Anhand von Beispielen wird aufgezeigt, auf welche Art und Weise die AkteurInnen im Diskurs miteinander verhandeln. Wie wird der Diskurs verknappt, wie werden Deutungsangebote zu Deutungsvorgaben institutionalisiert, welche Strategien werden in den diskursiven Verhandlungen von den AkteurInnen eingesetzt? Die Kapitel zwei, drei und vier stellen die Inhalte der diskursiven Verhandlungen dar. Dabei werden mittels der Methodik, die zuvor aufgebaut wurde, induktiv drei Rahmen identifiziert: Beruf, Patriarchat und Gesetzgebung. Innerhalb dieser Rahmen geben die AkteurInnen des Diskurses unterschiedliche Deutungsangebote; diese werden induktiv identifiziert und in idealtypischer Form dargestellt. Im Rahmen Beruf werden getrennt zwei Felder von Deutungsangeboten betrachtet: Vier Deutungsangebote zur Normalisierung der Prostitution als Beruf beziehungsweise Abgrenzung hiervon und drei Deutungsangebote zur Prostitution als Verdienstmöglichkeit. Im Rahmen Patriarchat werden in einem Feld Deutungsangebote zur Frage gegeben, inwieweit die Prostitution das Patriarchat perpetuiert oder aufbricht. Identifiziert werden hierzu im Diskurs vier Deutungsangebote. In einem zweiten finden sich vier Deutungsangebote zu Freiwilligkeit versus Zwang. Die Darstellung der diskursiven Verhandlungen in diesen Rahmen ist der Schwerpunkt der Arbeit. Gefolgt wird sie von der Betrachtung des kollektiven Sprechens im Rahmen Gesetzgebung. Es zeigt sich eine starke und tiefgehende Heterogenität der Interpretationen des sozialen Phänomens Prostitution im feministischen Diskurs. Abschließend werden im Fazit, nach einer zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse, diese rückbezogen auf die zu Anfang dargestellte Heterogenität des feministischen Diskurses. Geschlossen wird die Bachelorarbeit mit Fragen zur ‚Wurzel‘ der Heterogenität, der je zugrunde liegenden Definition von ‚feministisch‘, die mit ihren politischen Implikationen die Ebene der Diskursanalyse verlassen und auf die Position der Autorin verweisen.

Sophie Maria Ruby,studiert seit 2007 Soziologie mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung. Ihre Bachelorarbeit „Prostitution im feministischen Diskurs“ wurde mit dem Marianne-Menzzer-Preis ausgezeichnet. Neben ihrem Masterstudium ist sie derzeit als SHK am SFB 804 tätig sowie außeruniversitär feministisch engagiert.

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