Unlikely Cases and “Exceptions to the Rule” – Werdegänge sozialer Aufsteiger an die Spitze der Wissenschaft

Viele Theorien und Studien in der Soziologie beschäftigen sich mit dem Problem der Reproduktion sozialer Ungleichheit. Dabei wurden sowohl strukturelle als auch kulturelle Ursachen und Mechanismen herausgearbeitet. So fehle es sozial benachteiligten Familien an ökonomischen und ‘legitimen’ kulturellen Ressourcen um ihren Kindern die ‘richtigen’ Freizeitbeschäftigungen zu ermöglichen, sie auf die richtige Schule oder lange genug auf die Schule zu schicken, und vor allem um ein Universitätsstudium zu finanzieren. Es fehle vor allem am ‘legitimen’ kulturellen Kapital in Form von (‘legitimen’) Büchern, ‘legitimen’ Wissen, der ‘legitimen’ Art zu sprechen und zu agieren und an Insiderwissen über das Bildungssystem

von Sandra Matthäus

Viele Theorien und Studien in der Soziologie beschäftigen sich mit dem Problem der Reproduktion sozialer Ungleichheit. Dabei wurden sowohl strukturelle als auch kulturelle Ursachen und Mechanismen herausgearbeitet. So fehle es sozial benachteiligten Familien an ökonomischen und ‘legitimen’ kulturellen Ressourcen um ihren Kindern die ‘richtigen’ Freizeitbeschäftigungen zu ermöglichen, sie auf die richtige Schule oder lange genug auf die Schule zu schicken, und vor allem um ein Universitätsstudium zu finanzieren. Es fehle vor allem am ‘legitimen’ kulturellen Kapital in Form von (‘legitimen’) Büchern, ‘legitimen’ Wissen, der ‘legitimen’ Art zu sprechen und zu agieren und an Insiderwissen über das Bildungssystem. Insbesondere die gesellschaftlichen Bildungseinrichtungen, die über einen starken Mittelschichtsbias in Form der Favorisierung dieses ‘legitimen’ kulturellen Kapitals verfügen, selektieren Kinder, später StudentInnen und ArbeitnehmerInnen aus sozial benachteiligten Schichten, die dieses Kapital und den dazugehörigen Habitus nicht besitzen, aus bzw. erwirken eine starke Selbstselektion (siehe u.a. Bourdieu/Passeron 1971, Bernstein 1982, Lareau 2003, Hartmann 2002).
Jedoch, es gibt Ausnahmen zu dieser Regel – die Empirie ist wie immer komplexer als die Theorie. Wie erklären wir die wenigen Fälle des Ausbruchs aus diesem Teufelskreis, jene vor diesem Hintergrund theoretisch unwahrscheinlichen und auch empirisch seltenen, jedoch durchaus existenten Fälle (extremen) sozialen Aufstiegs aus sozial benachteiligten Schichten in gesellschaftliche Elitepositionen?
Erstaunlicherweise gibt es zu dieser Frage relativ wenig Literatur und empirische Forschung, die jedoch wichtig wäre, denn dies würde komplementärerweise zusätzliche Erkenntnisse über den Normalfall der sozialen Reproduktion liefern. Die Studien, die sich dazu finden lassen sind oft stark quantitativ ausgerichtet und beschäftigen sich meist mit SchülerInnen oder StudentInnen und eben nicht mit abgeschlossenen Aufstiegsprozessen (siehe bspw. Bland 2004, Bettie 2002, Desmarchelier 1999).
Dennoch, unter Berücksichtigung dieser Studien und v.a. mit Hilfe der wenigen qualitativen Studien über AufsteigerInnenn in derartige Elitepositionen (siehe bspw. Schmeiser 1994, Higgingbotham 1992, Warner/Abegglen 1955) soll deshalb in diesem Vortrag versucht werden Licht auf diesen außergewöhnlichen Prozess am Beispiel von ProfessorInnen zu werfen. Theoretisch-konzeptioneller Hintergrund ist dabei die (Habitus-)Theorie von Bourdieu und für den speziellen Fall des Aufstiegs in die Wissenschaft Oevermann’s Professionalisierungstheorie (1996, 2005, siehe auch Franzmann 2008), die beide den Einfluss der Kindheit und Jugend von Akteuren auf deren Werdegang legen.

Sandra Matthäus, B.A., hat an der Humboldt-Universität zu Berlin, der New School for Social Research in New York City, der University of Bangor, Wales (UK) und an der Technischen Universität Chemnitz Soziologie studiert. Ihre Schwerpunkte und Interessensgebiete sind Wissenschafts-, Professions- und Elitensoziologie, Theorien sozialer Ungleichheit sowie Methoden der qualitativen Sozialforschung und Sozialpsychologie.

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