Geschlechter- und Familienverhältnisse: Politökonomische Perspektiven

Warum und wie verändern sich Geschlechterverhältnisse über die Zeit? Warum sind in Industrieländern die Geburtenraten so niedrig und die Scheidungsraten so hoch? Warum wählen Frauen eher links als Männer? Die Antwort „It’s the economy, stupid“, scheint zunächst eine Provokation für die vor allem kulturwissenschaftlich geprägten Gender Studies. (Zumal die Ökonomie lange Zeit Genderaspekt vollständige ausgegblendet hat und noch immer noch eine von Männern dominierte Domäne ist.] Dieser Beitrag zeigt auf was den Ökonomischen Ansatz in der Untersuchung der Geschlechterverhältnisse ausmacht, welche Erklrungen sich ergeben, wenn man die die Ehe als Verhandlungsergebnis zweier rationaler nutzenmaximierender Akteur begreift und wie dieser Ansatz sozialwissenschaftliche Forschung inspirieren kann.

von Arndt Leininger

Zur Arbeit: Der Abstract beruht im Wesentlichen auf einer Hausarbeit mit dem Titel „Zur politischen Ökonomie des Patriarchats“ um spätere Erkenntnisse und Perspektiven erweitert.
Die komplexe (neue) Welt besteht aus einem mannigfachen Netz aus Beziehungen. Dies strukturiert sie und macht sie gleichzeitig so komplex, zu einer Herausforderung für sozialwissenschaftliche Forschung. Die Familie ist der Nukleus dieser komplexen Welt. Doch ist sie deshalb kein statischer Fixpunkt, sondern selbst ständigen Veränderungen unterworfen.
Mit meinem Beitrag will ich zum einen zeigen, welche Erklärungen politökonomischer Theorien zur Entwicklung von Familien- und Geschlechterverhältnissen bieten, und zum anderen, wie diese sozialwissenschaftliche Forschung inspirieren können.
Warum und wie verändern sich Geschlechterverhältnisse über die Zeit? Warum sind in Industrieländern die Geburtenraten so niedrig und die Scheidungsraten so hoch? Warum wählen Frauen eher links als Männer?
Eine Antwort auf diese Fragen und weitere Fragen liegt oftmals in ökonomischen Veränderungen verborgen. „It’s the economy, stupid“, scheint zunächst eine Provokation für die vor allem kulturwissenschaftlich geprägten Gender Studies. Zumal die Ökonomie lange Zeit Genderaspekt vollständige ausgegblendet hat und noch immer noch eine von Männern dominierte Domäne ist.
Zunächst ist also zu klären, was den Ökonomischen Ansatz in der Untersuchung der Geschlechteverhältnisse ausmacht. Dieser betrachtet die Problematik aus der Perspektive des Methodologischen Individualismus, indem er untersucht wie zweckrational nutzenmaximierend handelnde Individuen unter gegebenen Bedingungen handeln würden. Im Anschluss soll erläutert werden warum der ökonomische Ansatz, dem in den Sozialwissenschaften häufig mit Misstrauen begegnet wird, nicht von vorneherein ausgeschlossen werden sollte. Dies liegt im wesentlichen darin begründet, dass Theorien Realität nicht exakt nachbilden sollen, sondern viel mehr ein auf die essentiellen Faktoren reduziertes Abbild darstellen sollen. Entscheidend für die Bewertung der Theorie ist dabei vor allem ob sie korrekte Vorhersagen trifft. So soll gezeigt werden, dass dieser Ansatz auch für die Untersuchung von Geschlechterverhältnissen nutzbar ist.
Ausgehend vom analytischen Rahmen der der Spieltheorie enstammenden Verhandlungstheorie wird die Ehe als Verhandlungsergebnis zweier rationaler nutzenmaximierender Akteur begriffen: zwei Menschen wollen heiraten – weil es ihnen ökonomische Vorteile bringt, weil es von ihnen erwartet wird oder, im Idealfall, weil sie sich lieben. Dazu müssen sie sich über die Bedingungen ihres Zusammenlebens einig werden. Da es nicht möglich ist, dies umfassend und für alle Zeit festzulegen, kommt es in der Ehe immer wieder zu Verhandlungen. Meist dann, wenn sich die Verhandlungsmacht eines oder beider AkteurInnen ändert.
Die Verhandlungstheorie fragt nun, welche Variablen das Ergebnis der Verhandlung beeinflussen sowie welche Faktoren und Strategien die Verhandlungsmacht der AkteurInnen bestimmen. Da diese wesentlich auchdurch ökonomische Faktoren bedingt sind lassen sich Zusammenhänge zwischen Wirtschaftlicher Entwicklung und der Evolution menschlichen Zusammenlebens in Familie und Ehe ableiten.
Abschließend soll der Mehrwert eines ökonomischen Ansatzes für sozialwissenschaftliche Forschung dargestellt werden. Ökonomische Theorien können soziologische und sozialwissenschaftliche Forschung in vielerlei Hinsicht inspirieren, sie können a) qualitative Studien strukturieren, indem sie beobachtungsleitend eingesetzt werden oder in der vergleichenden Analyse zum Einsatz kommen, b) quantitative Ansätze strukturieren, das bedeutet, Hinweise auf relevante Variablen und ihreKorrelationen und kausalen Zusammenhänge liefern c) formaler mathematischer Modellbildung dienen, die wiederum neue Anstöße für a) und b) geben kann.

Arndt Leininger, hat Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der SciencesPo Paris studiert. Ab September 2011 macht er seinen Master in Politischer Ökonomie an der London School of Economics and Political Science. Seine Studieninteressen sind Politische Ökonomie, Vergleichende Politikwissenschaft und Ökonomische Theorien der Politik.

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